Nicht alles, was sich mit KI erstellen lässt, verbessert automatisch den Unterricht. Ein Arbeitsblatt kann sprachlich korrekt und trotzdem ungeeignet für die Lerngruppe sein. Eine kreative Aufgabe kann motivierend wirken, aber am Lernziel vorbeigehen. Deshalb beginnt sinnvoller KI-Einsatz nicht mit dem Tool, sondern mit einer didaktischen Entscheidung: Was sollen die Lernenden am Ende besser können?
Richtig eingesetzt kann KI Lehrkräfte bei zeitaufwendigen Arbeitsschritten unterstützen. Sie kann Varianten erstellen, sprachliche Mittel sammeln, Aufgaben anpassen und erste Entwürfe liefern. Die Auswahl, Prüfung und Einbettung in den Unterricht bleiben jedoch Aufgabe der Lehrkraft.
Die folgenden sieben Beispiele zeigen, wie du KI konkret im DaF-/DaZ-Unterricht einsetzen kannst. Zu jedem Beispiel findest du einen möglichen Prompt und Hinweise für die didaktische Prüfung.
1. Unterrichtssequenzen vom Lernziel aus planen
KI kann bei der Planung helfen, wenn das Lernziel bereits feststeht. Wenig sinnvoll ist ein allgemeiner Auftrag wie: „Plane eine Unterrichtsstunde zum Thema Wohnen.“ Das Ergebnis bleibt meistens oberflächlich, weil Informationen über Lernstand, Ziel, Dauer und Lerngruppe fehlen.
Ausgangspunkt sollte eine konkrete Kann-Beschreibung sein. Für eine A2-Gruppe könnte das Ziel beispielsweise lauten: Die Lernenden können eine Wohnungsanzeige verstehen und telefonisch nach wichtigen Informationen fragen.
Beispielprompt:
Erstelle einen 60-minütigen Unterrichtsablauf für eine erwachsene DaF-Lerngruppe auf dem Niveau A2. Lernziel: Die Lernenden können eine Wohnungsanzeige verstehen und telefonisch nach Mietpreis, Nebenkosten, Lage und Besichtigungstermin fragen. Plane vom Lernziel aus rückwärts. Gib für jede Phase Ziel, Aktivität, Sozialform, Zeit und benötigtes Material an. Die Lernenden sollen überwiegend selbst sprechen und handeln.
Der Vorschlag der KI ist ein Planungsentwurf, kein fertiger Unterricht. Prüfe insbesondere, ob die einzelnen Phasen tatsächlich auf das Lernziel vorbereiten und ob genügend aktive Sprachproduktion vorgesehen ist.
2. Texte an ein Sprachniveau anpassen
Authentische Texte sind häufig zu lang oder sprachlich zu komplex. KI kann einen Text kürzen, schwierige Strukturen reduzieren oder gezielt sprachliche Mittel einbauen.
Dabei sollte der Auftrag nicht nur „Vereinfache den Text auf A2“ lauten. Ein Sprachniveau lässt sich nicht zuverlässig allein durch dieses Etikett erzeugen. Besser ist es, konkrete sprachliche Anforderungen zu nennen.
Beispielprompt:
Überarbeite den folgenden Text für erwachsene Deutschlernende auf dem Niveau A2. Der Text soll höchstens 180 Wörter lang sein. Verwende überwiegend Hauptsätze und häufige Konnektoren wie „aber“, „deshalb“ und „dann“. Erkläre unvermeidbare schwierige Wörter in einer kurzen Wortliste. Erhalte alle Informationen, die für die anschließende Aufgabe wichtig sind. Text: [Text einfügen]
Vergleiche anschließend das Ergebnis mit dem Ausgangstext. Prüfe, ob wichtige Informationen erhalten geblieben sind und ob die Vereinfachung natürlich klingt. KI-Texte wirken manchmal sprachlich korrekt, aber untypisch oder auffällig gleichförmig.
3. Aufgaben binnendifferenzieren
In vielen Kursen arbeiten Lernende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, Lerngeschwindigkeiten und Unterstützungsbedarfen. KI kann aus einer Ausgangsaufgabe mehrere Varianten erstellen, ohne dass die ganze Unterrichtsplanung neu geschrieben werden muss.
Beispielprompt:
Erstelle zu dieser Sprechaufgabe drei Varianten für eine heterogene A2-Lerngruppe. Variante 1 soll Satzanfänge und passenden Wortschatz enthalten. Variante 2 soll nur Leitfragen bieten. Variante 3 soll eine zusätzliche Herausforderung für schnellere Lernende enthalten. Das kommunikative Lernziel muss in allen drei Varianten gleich bleiben. Ausgangsaufgabe: [Aufgabe einfügen]
Entscheidend ist, dass nicht drei unterschiedliche Lernziele entstehen. Differenzierung bedeutet nicht, dass einige Lernende nur Lücken ausfüllen, während andere frei kommunizieren. Alle sollten am gleichen Kernziel arbeiten, aber unterschiedlich viel Unterstützung erhalten.
4. Dialoge und Rollenkarten erstellen
KI eignet sich gut für erste Entwürfe von Dialogen, Rollenkarten und Alltagssituationen. Damit lassen sich kommunikative Aufgaben schneller an einen bestimmten Kontext anpassen.
Für berufsbezogene Kurse können beispielsweise Situationen aus einem Krankenhaus, einem Hotel oder einer Werkstatt erstellt werden. Für allgemeinsprachliche Kurse eignen sich Behördengänge, Wohnungssuche, Einkaufen oder Terminvereinbarungen.
Beispielprompt:
Erstelle zwei unterschiedliche Rollenkarten für ein Telefongespräch auf dem Niveau A2. Person A möchte einen Arzttermin vereinbaren. Person B arbeitet an der Rezeption. Beide Personen sollen Informationen besitzen, die die andere Person nicht kennt. Gib keine fertigen Dialogsätze vor. Ergänze stattdessen Redemittel für Nachfragen, Terminvereinbarung und höfliche Ablehnung.
Prüfe, ob ein echter Informationsunterschied vorhanden ist. Wenn beide Rollen bereits alle Informationen kennen, entsteht häufig nur ein abgelesener Musterdialog. Eine gute Rollenaufgabe verlangt Zuhören, Nachfragen und eine gemeinsame Entscheidung.
5. Feedbackkriterien und Rückmeldungen vorbereiten
KI kann helfen, verständliche Kriterien für Schreib- oder Sprechaufgaben zu formulieren. Sie kann auch einen ersten Rückmeldungsentwurf erstellen. Die abschließende Beurteilung sollte jedoch nicht an ein Sprachmodell abgegeben werden.
Beispielprompt:
Formuliere eine kurze Feedbackliste für eine E-Mail-Aufgabe auf dem Niveau B1. Die Lernenden sollen auf eine Einladung antworten, sich bedanken, zu- oder absagen und einen Grund nennen. Die Liste soll höchstens fünf Kriterien enthalten und für Lernende verständlich formuliert sein. Trenne Inhalt, Verständlichkeit und sprachliche Mittel.
Bei personenbezogenen Texten ist Datenschutz besonders wichtig. Namen, Kontaktdaten, Prüfungsergebnisse und andere identifizierbare Informationen gehören nicht in frei zugängliche KI-Systeme. Außerdem können KI-Rückmeldungen Fehler enthalten oder sprachliche Abweichungen unnötig korrigieren.
6. Bilder und Sprechanlässe entwickeln
Ein passendes Bild kann Wortschatz aktivieren, Vermutungen auslösen oder eine Kommunikationsaufgabe vorbereiten. Mit KI lassen sich Szenen gezielt an Lernziel und Lerngruppe anpassen.
Beispielprompt:
Erstelle ein realistisches Bild für eine A1-Sprechaufgabe. Zu sehen ist eine Küche nach einer gemeinsamen Grillparty. Auf dem Tisch und in der Küche liegen verschiedene Gegenstände und Lebensmittel. Vier Personen räumen auf und führen unterschiedliche Tätigkeiten aus. Das Bild soll übersichtlich sein und mindestens zehn benennbare Gegenstände enthalten. Kein Text und keine Beschriftungen.
Prüfe KI-generierte Bilder genau. Gegenstände können unlogisch angeordnet sein, Hände oder Beschriftungen können fehlerhaft erscheinen und kulturelle Darstellungen können stereotyp ausfallen. Das Bild muss nicht nur schön aussehen, sondern eine konkrete sprachliche Handlung ermöglichen.
7. KI als Sprachpartner für Lernende einsetzen
Lernende können KI nutzen, um Dialoge zu üben, Texte zu überarbeiten oder sich Rückfragen stellen zu lassen. Damit daraus Lernen entsteht, brauchen sie jedoch einen klaren Auftrag. „Übe Deutsch mit mir“ führt selten zu einer zielgerichteten Aktivität.
Beispielprompt für Lernende:
Führe mit mir ein kurzes Gespräch auf Deutsch auf dem Niveau A2. Thema: einen Termin verschieben. Stelle immer nur eine Frage und warte auf meine Antwort. Korrigiere mich nicht während des Gesprächs. Gib mir am Ende Rückmeldung zu zwei gelungenen Formulierungen und zu einem Punkt, den ich verbessern kann.
Die Lernenden sollten anschließend reflektieren, was ihnen geholfen hat, welche Rückmeldung sie übernommen haben und wo sie der KI nicht vertrauen konnten. So wird KI nicht zur Abkürzung, sondern zum Lernpartner.
Woran erkennst du einen sinnvollen KI-Einsatz?
Bevor du ein KI-Ergebnis im Unterricht verwendest, helfen fünf kurze Fragen:
- Passt das Ergebnis zu meinem Lernziel?
- Entspricht die Sprache dem Lernstand meiner Gruppe?
- Werden die Lernenden selbst sprachlich aktiv?
- Habe ich Inhalt, Sprache und mögliche Verzerrungen geprüft?
- Werden Datenschutz und Urheberrecht berücksichtigt?
Wenn mehrere Fragen nicht klar mit Ja beantwortet werden können, sollte das Material überarbeitet oder nicht eingesetzt werden.
Fazit
KI kann die Unterrichtsvorbereitung erleichtern, Varianten erzeugen und neue Ideen liefern. Ihre Stärke liegt vor allem darin, schnell einen ersten Entwurf bereitzustellen. Didaktische Qualität entsteht dadurch aber noch nicht.
Die Lehrkraft kennt die Lerngruppe, setzt Lernziele und entscheidet, welche Aufgabe in welcher Situation sinnvoll ist. KI kann diesen Prozess unterstützen. Sie kann ihn nicht ersetzen.
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